Der Biber - ein Motor der Artenvielfalt - ist wieder bei uns in der Region Untermain heimisch

Mit dem Biber ist dem BUND Naturschutz (BN) die erfolgreichste Wiedereinbürgerung eines Wildtieres in Bayern gelungen. Heute sorgt der Ureinwohner Bayerns für mehr Artenvielfalt und Hochwasserschutz. Umgekehrt profitieren in trockenen Jahren Natur und Landwirtschaft vom „Wasserrückhaltesystem“ des Bibers, etwa durch Wiederauffüllen der Grundwasservorräte und letzte Rückzugsgebiete für wassergebundene Tiere. Trotzdem machen ihm Vorurteile das Leben schwer.
Biber sind unsere wichtigsten Verbündeten, um den fortschreitenden Verlust bedrohter Tier- und Pflanzenarten zu verhindern. Keine zweite Tierart schafft an Gewässern und in Auen anderen Pflanzen und Tierarten so viel Lebensraum. Vom Biber angelegte Feuchtgebiete sind wesentlich artenreicher und kostengünstiger als jedes vom Menschen angelegte Biotop. In Zeiten der Klimaveränderung ist der Wasserrückhalt durch den Biber ebenfalls unverzichtbar. Unerbittlich verfolgt, war der Biber Anfang des 19. Jahrhunderts nicht nur in Bayern ausgerottet, sondern auch europaweit fast verschwunden. Der BN hat den Urbayer wie auch die um 1930 ausgestorbene Wildkatze in den Freistaat zurückgeholt. Über eine Wiederansiedlung in den sechziger bis achtziger Jahren ist der Biber in Bayern wieder heimisch geworden. 2024 wird der bayerische Biberbestand auf etwa 25.000 Tiere in etwa 7500 Revieren geschätzt.
Bei uns im Spessart wurde er 1987 am Westernbach (rechter Zufluss der Kahl), an der Jossa und Sinn wieder eingebürgert. Inzwischen hat er in den meisten Bachtälern des Spessarts Reviere begründet. Der Biber lebt inzwischen bei uns am Main und seinen Zuflüssen aus dem Odenwald und Spessart, wie Aschaff, Aubach, Hafenlohr, Elsava, Gersprenz, Jossa, Kahl, Kaltengrundbach (rechter Nebenbach der Lohr, Naturschutzgebiet) mit Seen zwischen Neuhütten und Lohr, Laufachbach, Lohr, Lohrbach bei Heigenbrücken, Mümling, Sailaufbach, Seebach bei Hain, Sinn und dem Weihersgrund bei Bischbrunn.
Biber als Ökosystem-Manager
Der Europäische Biber (Castor fiber) ist nicht nur das größte Nagetier Europas, er ist auch der beste „natürliche“ Ökosystem-Manager: Wo immer er lebt und anpackt, nimmt die Artenvielfalt sprunghaft zu. So zählen Biberreviere zu den artenreichsten Biotopen im Freistaat. Wie keine zweite Tierart gestaltet der Biber seinen Lebensraum selbst. Eindrucksvoll sind seine stattlichen Biberburgen, in denen er mit seiner Familie lebt. Manchmal bezieht er auch selbst gegrabene Röhren im Uferbereich. Mit kunstvoll erbauten Dämmen staut er das Wasser schließlich so auf, dass die Eingänge seiner Wohnbauten stets unter Wasser liegen. Davon profitieren zahlreiche Arten, die ihren Lebensraum in den durch den Biber renaturierten Auen finden. Doch weiterhin wird dem Biber stellenweise das Leben unnötig erschwert.
Der wertvolle Nebeneffekt der emsigen Bautätigkeit des Bibers: Kostenlos und sozusagen Hand in Pfote mit der Wasserwirtschaft renaturiert er begradigte Bachläufe. Dort fühlt sich beispielsweise der Laubfrosch, eine ehemalige Allerweltsart, die heute leider immer seltener wird, wieder wohl. Der Laubfrosch nutzt die flachen, von der Sonne aufgewärmten Uferzonen des Biberbiotops, während er sich am Tag gleich nebenan in der neu entstandenen Schilfzone versteckt. Doch auch Fische profitieren enorm von der Umtriebigkeit des Bibers. Wissenschaftliche Untersuchungen haben ergeben, dass in den Biberrevieren nicht nur mehr verschiedene Fischarten leben, sondern auch das Gewicht der einzelnen Tiere zunimmt. Auch die Fischdichte kann dort bis zu 80-mal höher sein als in biberfreien Gewässern.
Der Baumeister schafft mit seinen Dämmen und Burgen neue Strukturen im Wasser, die von Fischen dankend angenommen werden. Während sich kleine Exemplare in den flachen Gewässerabschnitten tummeln, stehen an tiefen Stellen – gleich am Biberdamm – die größeren Fische und warten auf Nahrung. Die Reste der Biber-Mahlzeiten wiederum, etwa abgenagte Weidenäste, bieten der Fischbrut neue Versteckmöglichkeiten. Und selbst liegen gebliebene Bäume sind ein Segen für die Flussökologie. In der Strömung verwirbeln sie das Wasser und reichern es mit Sauerstoff an. Die landschaftsgestaltende Wirkung des Bibers macht an den Ufern nicht halt: Überflutete Flächen entwickeln sich je nach Standort zu Weichholzauen, Schilfzonen, Seggenrieden oder fischfreien Kleinstgewässern, in denen Amphibien wie die Gelbbauchunke oder der Laubfrosch gefahrlos laichen können. An Land wiederum bietet das Biber-Totholz Kost und Logis für Kleinsäuger, seltene Vogelarten und vor allem Insekten, wie die gefährdeten Scharlachkäfer. Trotz aller Leistungen, die der Biber für uns und die Natur erbringt, hat er oft ein schlechtes Image. Denn natürlich kommt er mit seinen Baukünsten in unserer dicht bebauten und intensiv genutzten Landschaft gelegentlich dem Menschen in die Quere. Etwa, wenn er durch einen seiner Dämme eine Wiese unter Wasser setzt oder ein Traktor im unterhöhlten Uferbereich einbricht. Der BUND Naturschutz weiß, wie wichtig es ist, Mensch und Biber dabei zu unterstützen, sich wieder aneinander zu gewöhnen. Der Verband finanziert deshalb schon seit 1996 zwei hauptamtliche Biberberater für Bayern. Sie stehen bei allen Fragen rund um den Biber mit Rat und Tat zur Seite. So lassen sich für alle Konfliktfälle gute, meist überraschend einfache Lösungen finden. Mehr noch: Viele Probleme tauchen gar nicht erst auf, wenn die Biber-Experten frühzeitig zurate gezogen werden. Tatsache ist: Der Biber kann nur knappe fünf Prozent der bayerischen Landesfläche überhaupt besiedeln und in den allermeisten Revieren des Nagers leben Mensch und Tier ohne Schwierigkeiten zusammen. Zudem entfernt sich ein Biber selten weiter als 20 Meter vom Wasser. Konflikte entstehen deshalb meist nur dort, wo der – auch für den Trink- und Hochwasserschutz – wichtige Uferrandstreifen fehlt. Deswegen ist eine der wichtigsten Aufgaben des BN in Bezug auf den Biber, sachlich über die Lebensweise des Bibers zu informieren. Damit der nützliche Nager wieder in den Herzen der Menschen ankommt!
Biberberater
IHRE ANSPRECHPARTNER DES BN FÜR NORDBAYERN
Berit Arendt, Tel. 01 60 / 5 67 53 02, biber-nordbayern@bund-naturschutz.de
Ehrenamtliche Biberberater: BN Mitglied Michael Kunkel in Heigenbrücken und BN Mitglied Matthias Braun in Alzenau
Weitere ehrenamtliche Biberberater stehen bei den Naturschutzbehörden der Landratsämter und der Stadt Aschaffenburg zur Verfügung.
Zu empfehlen ist auch der Untersuchungsbericht unseres Mitglieds Rudolf Malkmus, am Beispiel des Naturschutzgebiets Kaltengrund im Spessart, wie der Biber die Lebensgrundlagen für andere Tier- und Pflanzenarten verbessert. Zu lesen in der Zeitschrift Spessart August 2018 „Der Biber - Motor der Artenvielfalt“