Waldnaturschutz im Spessart tut not!

Der BUND Naturschutz und die Freunde des Spessarts waren sich nach einem Waldspaziergang in der Abteilung Kötzbuch, nördlich von Heigenbrücken einig, dass solche wertvollen Waldbestände im Spessart hervorragend geeignet wären, als künftige Schutzgebiete ausgewiesen zu werden. Beide Organisationen werden sich im neuen Jahr 2019 gemeinsam öffentlich dafür einsetzen, die Forderung des bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder in seiner Neujahrsansprache, mehr, wie in der Vergangenheit auf Naturschutz zu setzen, mit Leben zu füllen. Gerade die Festlegungen der CSU im Koalitionsvertrag mit den Freien Wählern, auf mehr Waldnaturschutz zu setzen und mit der Verpflichtung, mit 10% Naturwäldern ein „grünes Netzwerk von Naturwaldflächen“ zu schaffen, müssten nun auch den Menschen im Spessart durch konkrete Vorschläge verdeutlicht werden. BUND Naturschutz und Freunde des Spessarts rufen alle Menschen auf, die Regierungsvorschläge ernsthaft aufzugreifen und sich engagiert für mehr Waldnaturschutzflächen auch vor der eigenen Haustür einzusetzen. „Konkret heißt dies“, so Sebastian Schönauer vom BUND Naturschutz in Bayern, "weniger Flächenverbrauch durch immer größere Flächenausweisungen auf der grünen Wiese und dafür endlich mehr Waldnaturschutzgebiete im Spessart“.

Mit den bekannten und immer wieder genannten Naturschutzgebieten Rohrberg, Metzger-Krone und Erlenbruchwald im Hafenlohrtal gibt es im Spessart inklusive aller Naturwaldreservate lediglich 403 ha rechtlich abgesicherte Naturschutzflächen. Der 108 000 Hektar große Wald im bayerischen Spessart setzt sich aus 32 % Körperschaftswald, 27 % Privatwald und 41 % Staatswald zusammen. Nur im 42 170 Hektar großen Staatswald gibt es Naturschutzgebiete und Naturwaldreservate mit natürlicher Waldentwicklung. Deren Größenordnung beträgt die genannten 403 Hektar, entsprechend 1 % der Staatswaldfläche, wie es aus den „Naturschutzkonzepten“ der BaySF selbst (www.baysf.de/) zu entnehmen ist.

Es entspricht also nicht der Wahrheit, wenn es von Seiten der bayerischen Staatsforsten – BaySF - und in Leserbriefen immer wieder in der Öffentlichkeit so hingestellt wird, als ob die Naturschutzflächen im bayerischen Spessart bereits jetzt schon10.6 % des Staatswaldes betragen würden. Die 10 –Prozent - Behauptung erweist sich auch dann als falsch, wenn die Klasse 1-Wälder des Staatswaldes im Spessart zu den echten Naturschutzgebieten von 1 % dazugerechnet werden, denn die zurzeit nutzungsfrei gestellten Waldflächen der Klasse 1-Wälder im Staatswald des Bayer. Spessarts haben mit einer Fläche von 1.533 ha auch „nur“ 3,6 % Anteil an der Staatswaldfläche. Zusammen mit den bisherigen Naturschutzgebieten ergäbe dies nur 4,6 % und nicht 10,6 Prozent, wie mehrfach in der Öffentlichkeit gestreut wurde.

Hintergrund des Streits um die Waldnaturschutzflächen im Staatswald des bayerischen Spessarts ist, dass die momentane Nicht – Bewirtschaftung der 1.533 Hektar großen Waldflächen nicht rechtsverbindlich gewährleistet ist und jederzeit widerrufen werden kann. „Die Klasse 1 – Wälder im Spessart erfüllen damit auch nicht die Schutzkategorie eines Naturschutzgebiets“, so BUND Naturschutz – Sprecher Sebastian Schönauer. „Nicht zuletzt deshalb klagt der Verband der Spessartholzberechtigten nicht gegen die Nutzungsfreistellung der Klasse 1- Wälder, weil diese keiner dauerhaften Unterschutzstellung unterliegen und eventuell nur darauf gewartet wird, bis die Nutzungsfreistellung wieder aufgehoben wird.“

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Biotopverbundkonzept für den Spessart

Nach der Ankündigung der Bayerischen Staatsregierung eines geplanten dritten Nationalparks in Bayern im August 2016, stand die Nationalpark-Debatte ein Jahr lang für die BN-Kreisgruppe Aschaffenburg im Fokus. 

Mit der Entscheidung des Kabinetts am 18.7.2017 zum Nationalparksuchprozess in Bayern beschloss die Regierung nur die Rhön und die Donau-Auen in die Konzeptionsphase zu übernehmen. Für uns Kreisgruppen im Spessart war das Thema aber damit nicht abgeschlossen. Die Bayerische Staatsregierung hatte nämlich am 18.07.2017 zugleich angekündigt, im Spessart „weitere substanzielle Maßnahmen zur Förderung des Natur- und Artenschutzes sowie für den Naturtourismus" zu ergreifen. Dazu sollen im Rahmen der Initiative „Natur.Heimat.Bayern" der Staatsministerin Scharf Vorschläge auch aus der Spessartregion vertieft geprüft werden, die die Zustimmung der gesamten Region finden sollen.

Daraufhin schlugen die Naturschutzorganisationen in einer Pressekonferenz am 14.12.2017 ein landkreisübergreifendes, differenziertes Naturwaldverbund-Konzept für den gesamten Spessart vor.

Die Naturschutzverbände BUND Naturschutz (BN), Landesbund für Vogelschutz (LBV), Greenpeace Bayern, WWF Deutschland, Zoologische Gesellschaft Frankfurt und die "Freunde des Spessarts" werben für ein 3 Säulen-Konzept, das aus einem großen Kerngebiet, mehreren mittelgroßen Spenderflächen und etlichen kleinen Naturwaldflächen bzw. Trittsteinen besteht. Diese über den gesamten Spessart verteilten Gebiete sollen im Biotopverbund dauerhaft als Naturschutzgebiete geschützt werden, insgesamt knapp 9.000 Hektar an Staatswäldern.

In diesen Wäldern soll kein Holz genutzt werden, damit sich langfristig „Urwälder von morgen" entwickeln können, in denen Bäume alt und dick werden und bedrohte Waldarten dauerhaft überleben können. „Wir werben für ein Konzept, das Schützen und Nutzen verbindet und von dem Mensch und Natur im Spessart landkreisübergreifend profitiert. Dabei werden die Befürchtungen aus der Nationalparkdebatte berücksichtigt und zugleich mehr staatliche Spessartwälder konsequent geschützt. Dies entspricht auch dem Mehrheitswillen der Bevölkerung im Spessart",  so die Naturschutzorganisationen.

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