Öko-Tipp der Woche 46 – 2020 Lebensraum Garten statt Schottergärten

...oder das Grauen hinterm Gartenzaun.

Aus dem Wunsch nach einem pflegeleichten Garten entstehen derzeit vermehrt „Schottergärten“. Vorgärten und ganze Gartenbereiche werden mit Folie oder Vlies abgedeckt, worauf Kies, Steine, Splitt oder Schotter verteilt werden.

 

10.11.2020

Für Tiere und Pflanzen ist ein Schottergarten in etwa so attraktiv wie der asphaltierte Parkplatz vor dem Aldi. Diese Steinwüsten schaden der Natur und dem Stadtklima. Im Sommer speichern sie die Sonnenwärme und tragen so zur Überhitzung der Städte bei, anstatt als grüne Lunge die Folgen des Klimawandels abzumildern und temperaturausgleichend zu wirken. Die erzeugte Wirkung ist leblos, steril, spannungsarm und kalt. Es wird weniger Staub gebunden und Lärm gedämpft. Und stürzt ein heftiger Gewitterregen vom Himmel, steigt die Überschwemmungsgefahr, denn der mit Folie verschlossene Boden kann das Wasser nicht aufnehmen. Ein Schottergarten ist nicht zum Aufenthalt von Menschen gemacht, zeigt keinerlei Willkommenskultur und verändert sich nicht im Jahresverlauf. Er ist ökologisch wertlos und wenig nachhaltig. Kein Baum, kein Strauch, keine Blüte und auch kein Insekt und kein Vogel: Wo sich Schottergärten breitmachen, klaffen plötzlich Löcher im Netz der Naturflächen, die Tiere und Pflanzen für ihre Existenz brauchen. Manche bezeichnen sie etwas provokant als Gärten des Grauens.
Und auch die Hoffnung auf Arbeitserleichterung erfüllt sich nicht, im Gegenteil. Schotterflächen verursachen einen hohen Pflegeaufwand. Organisches Material wie Pollen, Blüten, Samen und Blätter fallen zwischen die Steine und verrotten. Es bildet sich eine Humusschicht und erste Wildkräuter keimen. Algen, Moose und Flechten siedeln sich an. Eine Verfärbung tritt ein. Der Garten wird unansehnlich. Ein notwendiges Reinigen und Jäten birgt Probleme, da es sehr mühsam ist, jedes Wildkraut zwischen den einzelnen Steinen zu entfernen. Der BUND Naturschutz (BN) hat ermittelt, dass ein naturnah angelegtes Garten-paradies wesentlich mehr Nutzen und Freude bringt als ein „Schottergarten“. Für viele Menschen bietet ein naturnaher Garten Lebensraum, Erholung, Naturerfahrung, Aufenthaltsqualität und Raum für körperliche Aktivität und mentale Entspannung, so der BN. Urbanes Grün ist prägendes Element unserer Städte und Gemeinden. Es übernimmt vielfältige soziale, gesundheitliche, wirtschaftliche, ökologische und klimatische Funktionen und leistet insgesamt einen zentralen Beitrag zur Sicherung und Verbesserung der Lebensqualität. Auch unsere Kommunalbehörden sind aufgerufen zu reagieren. Schottergärten sind nämlich sowieso lt. Bayerischer Bauordnung verboten!
Siehe dazu: schwandorf.bund-naturschutz.de/brennpunkte/alptraum-schottergarten
aschaffenburg.bund-naturschutz.de