Ortsgruppe Alzenau

Rückblick und Erfolge aus der Ortsgruppe Alzenau

  • Die Aktiven des BUND Naturschutz OG-Alzenau engagierten sich im letzten Jahr (2015) sehr erfolgreich auf der kleinen Landes-Gartenschau in Alzenau unter dem Motto "Biber - die guten Geister des Wassers". Der aus dem Landkreis Mainspessart importierte und präparierte Biber "Norbert" ist  vielen Besuchern noch bekannt und begeisterte vor allem die kleineren Besucher. Mit viel Infomaterial, Veranstaltungen für Kinder und Beiträgen des BN-Biber-Referenten Horst Schwemmer (zuständig für den nördlichen Teil Bayerns) wurde dem nützlichen Handwerker und seinem Revier  Akzeptanz in der Bevölkerung geschaffen. Konflikte zwischen Mensch und Biber insbesondere in der Landwirtschaft und Fischteichwirtschaft als auch Waldbesitzern gegenüber wurde versucht Rechnung zu tragen bzw. diese zu schlichten und Verständnis für die Wiederansiedlung des Bibers zu schaffen.
  • Die umfassenden Bemühungen zum Erhalt des Eichwaldgebietes haben nunmehr - zumindest vorerst - den gewünschten Erfolg gebracht.

Chronologie:

Am 19.07.07 wurde vom Stadtrat in Alzenau nach Präsentation des Gutachtens der PGNU (Planungsgruppe Natur und Umwelt) durch Herrn Dr. Bornholdt und mit Unterstützung durch ebenfalls anwesende weitere Experten (Artenspezialisten sowie Vertreter von Landschafts- und Stadtplanungs- sowie Architektenbüros) und Anhörung von teilweise aufgeregten Grundstückseigentümern sowie Abgabe von Stellungnahmen einzelner Fraktionen (CSU, BÜNDNIS 90 / DIE GRÜNEN und SPD sowie FDP) der einstimmige Beschluss gefasst, dass aufgrund der gegebenen Rechts- und Sachlage derzeit keine Möglichkeit gesehen wird, einen (rechtsgültigen) Bebauungs- und Grünordnungsplan für das Eichwaldgebiet zu erstellen.

Damit wurde eine ca. zwei Jahre andauernde Aktion von Grundstückseigentümern gestoppt, ein - aus ökologischen, aber auch ökonomischen Gründen - unsinniges Vorhaben realisieren zu können. Zur Erinnerung: In früheren Jahren umgaben Streuobstgürtel die Ortschaften unserer Region, nicht nur zur Versorgung der Bevölkerung, sondern auch zum Verkauf des Obstes auf den Märkten (in der näheren Umgebung u. a. in Ffm. und weiter weg in Leipzig). Durch Siedlungsdruck wurde dieser Ring auch in Alzenau weitgehend zerstört. Auch das Gebiet "Eichwald" wurde 1979 als zukünftiges Wohngebiet im Flächennutzungsplan ausgewiesen, obwohl die Regierung von Unterfranken eine gegenteilige Stellungnahme abgab. Diesem Schreiben vom 20.08.1975 ist zu entnehmen, dass es sich hierbei - gemeint war die gesamte Hangregion zwischen Alzenau und Kälberau - um eine landschaftsökologisch und landschaftsoptisch hochwertige Region handelt, die das örtliche Landschafts- und Ortsbild entscheidend prägt. Durch die vollständige Bebauung des Hanges würde nicht nur eine Zerstörung der direkten Hangbereiche stattfinden, überdies würde der unter Landschaftsschutz stehende Kahlgrund erheblich beeinträchtigt. Abschließend so die Regierung von Unterfranken: Die Bebauungsausweisung wird aus hiesiger Sicht abgelehnt.

 In einem späteren Schreiben (vom 03.10.1975) wurden den Flächenausweisungen für Wohnbaugebiet - für uns vollkommen unerklärlich - dennoch zugestimmt. Im Gegensatz dazu wurde das Eichwaldgebiet im Landschaftsplan der Stadt Alzenau von 1976 als Biotop ausgewiesen. Dazu heißt es im Begründungsteil: "Diese Biotope sind wichtige charakteristische Landschaftselemente. Entscheidender ist jedoch ihre positive Wirkung zur Regulierung und Stabilisierung des Naturhaushaltes. Sie müssen vor technischen Eingriffen: Überbauung, Flurbereinigung, Bachregulierung, Drainierung usw. bewahrt werden (S. 57). Die Biotope sind in jedem Fall zu erhalten (S. 66). Ein Zusammenwachsen von Siedlungseinheiten ist zu verhindern ( S. 71)." Außerdem sind im Landschaftsplan von 1976 auch Luftaustauschzonen "im Eichwald" eingetragen (Karte 10). Es heißt auch, dass es notwendig ist, diese Luftaustauschbahnen unbedingt zu erhalten (S. 56).

Somit steht der Landschaftsplan im völligen Gegensatz zum Flächennutzungsplan der Stadt Alzenau. Ferner ist "der Eichwald" in der Bayerischen Biotopkartierung als Biotop (Nr. 5920-57) ausgewiesen. Nach Aufnahme des Bereiches "Eichwald" im Jahr 1992 wurde die Kartierung für das Land Bayern im März 2001 öffentlich ausgelegt und somit bekannt gemacht. In der Beschreibung heißt es: "Ausgedehnte Streuobstwiesen mit eingestreuten Gehölzen (Feldgehölze, Hecken und Gebüsche) am Rothenberg (Eichwaldgebiet) nordwestlich von Alzenau; und weiter im Text, wonach Wert bestimmende Merkmale sind: Artenschutz, Großflächigkeit, wertvoller Biotopkomplex mit hoher Strukturvielfalt".

Der Freistaat Bayern schlägt die Ausweisung als geschützten Landschaftsbestandteil vor, da es sich um einen ausgedehnten, extensiv genutzten und mit wertvollen Biotoptypen bzw. Pflanzenvorkommen ausgestatteten, traditionellen Kulturlandschaftsrest handelt. Außerdem sind Teilflächen nach dem § 13d1 BayNatSchG geschützt. Trotz dieser massiven vorgenannten Argumente gegen eine Wohnbebauung des Eichwaldgebietes, die mehrfach und verschiedentlich dargelegt und vorgetragen wurden - sind städtebauliche und naturschutzfachliche Untersuchungen vom Stadtrat in Auftrag gegeben worden, die nun die Grundlage bilden für den oben genannten (einstimmigen) Beschluss des Alzenauer Stadtrates.

Allerdings war es bis dahin ein langer Weg für die Aktiven der BN-Ortsgruppe Alzenau, die - zusammen mit anderen Gruppierungen - für den Erhalt des Eichwaldgebietes gekämpft haben. So wurde u. a. im Jahre 2000 vom BN der Versuch unternommen, das Eichwaldgebiet als FFH-Fläche anzumelden, was damals vom Landratsamt Aschaffenburg unter Hinweis auf den bestehenden Rechtsvorbehalt im Flächennutzungsplan abgelehnt wurde.

Ein weiterer Meilenstein in unseren Bemühungen war der Ansatz, dass es im Jahre 2004 gelungen ist, im Rahmen des GEO-Tages der Artenvielfalt aus allen Teilen Bayern kompetente Fachleute (Entomologen/Insektenforscher) nach Alzenau einladen zu können, um dann nicht nur den bereits bekannten Artenreichtum aufgrund vernetzter Sandmagerrasengebiete zu ermitteln, sondern - auf Vorschlag des Vorsitzenden der BN-OG/Alzenau - auch die Biotop- und Kulturlandschaft des Eichwaldes zu untersuchen. Hierbei wurden schon damals von den Experten seltene Exemplare von Insekten gefunden, die bisher in Nordbayern (noch) nicht festgestellt bzw. vermutet wurden und sicherlich im Zusammenhang mit dem Klimawandel hier vor Ort im Eichwald optimale Lebensbedingungen vorfinden. Zum Teil handelt es sich dabei auch um Bestände, die (lt. Rote Liste) stark gefährdet sind.

Danksagung:

Bei dieser Gelegenheit und an dieser Stelle bedanken wir uns als aktive und erfolgreiche BN-Ortsgruppe bei allen Unterstützerinnen und Unterstützern unseres Anliegens, das hiesige Eichwaldgebiet mit alten und wertvollen Streuobstbaumbeständen mit entsprechender Artenvielfalt als stadtnahe Biotop- und Kulturlandschaft zu erhalten.

Aktuelle Entwicklung:

Eine Interessengemeinschaft von ungefähr 50 hartnäckigen Grundstückseigentümern unter Leitung einer treibenden Kraft will nun die Teilbebauung im Eichwaldgebiet durchsetzen und spekuliert gegenüber der Stadtverwaltung auf Ausgleichsregelungen, die massiv eingefordert werden. Die weitere Entwicklung muss nun weiterhin aufmerksam beobachtet werden. Daher ist die Rettung des Eichwaldgebietes im Sinne des Natur- und Umweltschutzes leider (noch) nicht endgültig gesichert.

Die umfassenden Bemühungen zum Erhalt des Eichwaldgebietes haben nunmehr - zumindest vorerst - den gewünschten Erfolg gebracht.  

Sitzungstermine:

Die Aktiven der Ortgruppe Alzenau des BUND bzw. BN/Bayern treffen sich regelmäßig im Vorfeld von Aktionen und geben als anerkannter Umweltverband im Bedarfsfall zu umweltrelevanten Projekten wie aktuell z. B. zum Flächennutzungs- und Landschaftsplan qualifizierte Stellungnahmen ab.  Ansprechpartner/in: Dieter Galm, Tel.-Nr. (06023) 8483 (nach 18.00 Uhr), und Dagmar Förster, Tel.-Nr. (06023) 30718  

  • Neuerliche Initiativen gegen die geplante Erweiterung des Flughafens Ffm. aufgrund von Belastungen, die viel größer sind als bisher angenommen wurde. Während in alten Planunterlagen "nur" von jährlich 657.000 Flugbewegungen ausgegangen wurde, sind jetzt 745.000 Starts und Landungen für das Jahr 2025 prognostiziert worden. Auch wir in Alzenau und der Aschaffenburger Raum inklusive Spessart sind davon betroffen, d. h. wir müssen u. a. mit höheren Lärm- und Abgasbelastungen rechnen, wenn die Planungen in der vorliegenden Form umgesetzt würden.

    Die Planungsunterlagen mussten u. a. wegen Berechnungsfehlern von Fraport berichtigt und erneut ausgelegt werden. Dies fand - wie bei der Erstauslegung der Unterlagen - lediglich in benachbarten hessischen Städten wie Hanau und Offenbach statt, jedoch nicht in Alzenau, Kahl und Aschaffenburg, deren Einwohner/innen dann ebenfalls von der geplanten Erweiterung des Flughafens Ffm. betroffen sind. Danach bestand erneut Gelegenheit, innerhalb einer Frist von 14 Tagen beim Regierungspräsidium in Darmstadt gegen mögliche Beeinträchtigungen durch den Bau der Nordwestbahn des Frankfurter Flughafens individuelle Einwendungen vorzubringen.

    In der Folgezeit wurde seitens der politisch Verantwortlichen (in Hessen) die einseitige Planung zur Flughafenerweiterung (Nord-West-Bahn) ohne Prüfung von Alternativen vorangetrieben. Jetzt aktuell können die Unterlagen zum Ausbau des Frankfurter Flughafens im Internet nachgelesen werden. Unter www.wirtschaft.hessen.de hat das hessische Wirtschaftsministerium den Planfeststellungsbeschluss zum Ausbau veröffentlicht, den Minister Alois Rhiel (CDU) am 18. Dezember 2007 genehmigt hat. In der Zeit vom 11. bis zum 24. Januar 2008 werden die Unterlagen - faktisch die Baugenehmigung - für zwei Wochen in den Städten und Gemeinden im Umfeld des Flughafens zur Einsichtnahme ausgelegt. Ein Satz Unterlagen besteht aus mehr als 2.500 Seiten sowie rund 400 Plänen und füllt 23 Aktenordner. Mit der Offenlage könnte Flughafenbetreiber Fraport mit dem Bau einer neuen Landebahn beginnen, will aber mögliche Eilverfahren vor dem Verwaltungsgerichtshof Kassel abwarten.

    Das ursprünglich beantragte Nachtflugverbot ist in der Genehmigung nicht in vollem Umfang enthalten. Bis zu 17 planmäßige Flüge zwischen 23.00 und 5.00 Uhr sind erlaubt. Die neue Landebahn solle spätestens mit dem Winterflugplan 2011 in Betrieb gehen. Fraport und die 63 unmittelbar betroffenen Kommunen (im direkten Umfeld des Flughafens) haben ab Zustellung einen Monat Zeit, Rechtsmittel einzulegen. Darüber hinaus dürfen auch andere Städte und Gemeinden sowie Bürger/innen gegen den Beschluss klagen, wenn sie im Verfahren bereits eine Einwendung eingereicht hatten. Ihre Klagefrist endet einen Monat nach dem Ende der Offenlegung. Ein wichtiges Argument im juristischen Verfahren wird sein, dass Alternativen zum Ausbau nicht in ausreichendem Maße geprüft wurden. Aus Sicht von kritischen Fachleuten ist der Flughafenstandort Rhein-Main an seine Kapazitätsgrenze gestoßen. Die Zukunft liegt daher in der Zusammenarbeit mit anderen Flughäfen und in der Verlegung von Frachtverkehren auf die Schiene. Wenn die hessische Landesregierung dennoch nicht mit ihrer einseitigen Expansionspolitik bricht, droht möglicherweise schon in wenigen Jahren erst eine fünfte, dann eine sechste Landebahn.

    Die BN-Ortsgruppe Alzenau bittet weiterhin um Unterstützung der vielfältigen Bemühungen von uns und anderen Initiativen, die geplante Erweiterung des Flughafens Ffm. mit exorbitanten Auswirkungen auf Mensch und Natur gemeinsam zu verhindern. Im Moment werden Spenden gesammelt zur Bildung von gemeinsamen Klagefonds, um das Prozess-Risiko für Einzelne zu minimieren.

    Nähere und aktuelle Informationen sind über folgende Internetseiten zu erhalten: http://www.bund-hessen.de oder http://www.flughafen-bi.de oder http://www.iagl.de/aktuelles.htm

  • Anfragen der BN-Gruppe an die Stadtverwaltung Alzenau bezüglich Luftverkehrsmessungen der Fraport AG über dem Stadtgebiet und Wiedereinrichtung einer Luftmess-Station in Kahl bzw. ggfs. in Alzenau sowie hinsichtlich Auswirkungen der so genannten Forstreform der Bayerischen Staatsregierung auf den Kommunalwald der Stadt Alzenau, haben bei den Verantwortlichen einen Nachdenkungsprozess in Gang gesetzt, was positiv zu bewerten ist.
  • Die geplante Atommüll-Lagerung von schwach und mittelstark radioaktiv belasteten Abfällen aus deutschen Kernkraftwerken im benachbarten Hanau hat die BN-Ortsgruppe zu verstärkter Öffentlichkeitsarbeit veranlasst, um auf die Problematik mit der Einlagerung von Atommüll in unmittelbarer Nähe (HU-Wolfgang) aufmerksam zu machen.
  • An der Rad-/Fußweg-Verbindung (Verlängerung der Neuwiesenstraße) zwischen Alzenau und Wasserlos wurden auf Initiative der BN-Ortgruppe und im Auftrag der Alzenauer Stadtverwaltung von der Energie-Versorgung Alzenau (EVA) konventionelle Beleuchtungskörper installiert, nachdem das ursprüngliche Vorhaben, nämlich Solarlampen zum Einsatz zu bringen, sich wegen der dortigen Hochspannungsleitungen anscheinend nicht realisieren lässt.
  • Aktuell steht im Vordergrund die kritische Auseinandersetzung mit Planungen von politisch Verantwortlichen der Stadt Alzenau, die darüber "nachdenken", ein wohngebietsnahes Waldgebiet im nördlichen Teil der Stadt zwischen Burgstraße und Kurmainzer Straße sowie Staatsstraße 2305 eventuell der Wohnbebauung zuführen zu wollen. Dabei wird punktuell mit der BI Alzenau (Walderhalt) kooporiert. Siehe deren Homepage: www.buergerinitiative-alzenau.d
  • Vorbereitungen werden derzeit getroffen, als BUND- bzw. BN/Bayern an der regionalen Gartenschau im Jahr 2015 im Innenstadtbereich (Hauckwaldgebiet) von Alzenau teilzunehmen.