Vortrag: Artenschwund von Dr. Andreas von Lindeiner

Foto v. Rudolf Kreuzer

Foto v. Rudolf Kreuzer

18.12.2019

Im Rahmen der Veranstaltungsreihe Artenvielfalt des Bundes Naturschutz und des Landesbundes für Vogelschutz in der Volkshochschule Aschaffenburg fand am 20. 11. ein Vortrag zum Thema Artenschwund statt. Referent war Dr. Andreas von Lindeiner, der Landesbeauftragter  des Landesbundes für Vogelschutz ist. Der Rückgang der Arten  ist heute eine unbestreitbare Tatsache. Es galt diese darzustellen und über die Ursachen und mögliche Lösungen nachzudenken.

Anhand eindrucksvoller Schaubilder zeigte der Referent Entwicklungen bei verschiedenen Tierarten auf. Besonderes Augenmerk legte er auf die Entwicklung der Vögel. Dazu verwendete er ein Schaubild , das die Bestandsentwicklung seit 1980 zeigte. Danach war der Bestand der Waldvögel  in etwa gleichgeblieben, der Bestand der Vögel im Siedlungsbereich leicht rückläufig. Besonders drastisch war die Entwicklung im Bereich der Vögel auf landwirtschaftlich genutzten Flächen. Hier ging die Entwicklung der Bestände steil bergab. Dies betrifft z. B. das Braunkehlchen, die Goldammer, den Brachvogel, den Kiebitz und insbesondere die Rebhühner, um nur einige Beispiele zu nennen. Auch die Feldlerche, früher ein Allerweltsvogel, gehört leider dazu. Der Referent betonte, dass zu einem Spaziergang im Frühsommer über die Felder, der Gesang der Lerche unverzichtbar dazugehört.

 Breiten Raum nahm die Suche nach den Ursachen ein. Die Uniformität der Agrarlandschaft bietet für viele Arten von Pflanzen und Tieren keinen Lebensraum mehr. Dies ist die Folge der in den zurückliegenden Jahren einseitig betriebenen Effizienzsteigerung der Landwirtschaft. Verantwortlich für diese Entwicklung sind nicht nur die Bauern. Auch staatliche Maßnahmen haben dazu beigetragen, dass Landschaften entstanden sind ohne Feldgehölze, Feldraine und Feuchtflächen.  Die Bauern empfinden es als einen Affront, dass man ihnen die gesamte Schuld an der Verarmung der Landschaft zuschiebt. In der Veranstaltung war man sich einig, dass das System der Subventionen im Agrarbereich geändert werden muss.  Ein Landwirt sollte nicht allein eine Subvention abhängig von der bewirtschafteten Fläche erhalten, sondern die öffentlichen Mittel sollten dem zufließen, der auch eine Leistung für die Natur erbringt. Es wurde darauf hingewiesen, dass ökologischer Landbau nachweislich einen hohen Beitrag zum Erhalt der Biodiversität leistet.

Der Referent zeigte an einem Beispiel aus Mainfranken, wie ein Interessenausgleich zwischen Naturschutz und Landwirtschaft aussehen könnte. Dort brütet in Getreidefeldern die Wiesenweihe, ein Vogel, der den höchsten Schutzstatus genießt.  Bis seine Brut flügge ist, verzichtet der Landwirt auf das Abernten des Feldes, obwohl das Getreide bereits reif ist. Er erhält allerdings eine angemessene Entschädigung. So hat sich bei dieser hochbedrohten  Art eine  Bestandsverbesserung ergeben.

Nach Ende des Vortrags ergab sich noch eine lebhafte Diskussion, die das Thema noch vertiefte.  An der Veranstaltung nahmen zahlreiche Personen teil.