Pressemitteilung der BN Kreisgruppen Aschaffenburg und Miltenberg zu den Baumfällaktionen der Bahn

Von vielen besorgten Bürgern wurde der BUND Naturschutz auf die Fällaktion der Westfrankenbahn entlang der Bahntrasse Aschaffenburg - Kleinwallstadt hingewiesen, die teilweise einem Kahlschlag gleichkommt.

07.02.2020

Der BUND Naturschutz Aschaffenburg ist entsetzt über die mangelnde Sensibilität, mit der solch ein massiver Eingriff wichtige Biotope schlagartig vernichtete. Gerade die alten Bäume sind besonders wichtig für Pflanzen und Tiere, denn sie bieten Höhlen für Vögel, Fledermäuse und viele andere Tiere zur Aufzucht der Jungen und zum Verstecken. Die raue Borke und das Totholz dienen Kleingetier als Lebensraum. Die Samen und Früchte der Bäume sind wichtig für die Ernährung. Moose, Flechten, Pilze und andere Pflanzen besiedeln die Äste, Rinde und das Totholz, so dass ein ganzer lebendiger Mikrokosmos entsteht. Gerade alte Bäume sind deshalb zu schützen, aber diese werden in Ballungszentren immer mehr zur Mangelware, da ihr Lebenszyklus immer kürzer wird. Weder die Naturschutzverbände noch offensichtlich auch die untere Naturschutzbehörde der Stadt Aschaffenburg wurden vorher von der Maßnahme informiert. Sollten dabei gegen naturschutzrechtliche Bestimmungen verstoßen worden sein, ist ein Ordnungswidrigkeitsverfahren einzuleiten.

 

Das ist leider kein einmaliger Vorgang. Schon 2015 hat die DB entlang der Bahntrasse in der Linkstraße in Aschaffenburg eine völlig überzogene Fällaktion, einen Kahlschlag von über 200 Bäumen, vorgenommen. Auch damals hatte sie gegen Umweltauflagen verstoßen. Der BUND Naturschutz hatte auch hier entschieden dagegen protestiert und die DB musste dann Ersatzpflanzungen vornehmen. Aber anscheinend haben die Verantwortlichen nichts daraus gelernt.

Auch die BN Kreisgruppe Miltenberg wurde leider erst im nachhinein von Roland

Sommer von der Deutschen Bahn informiert. Laut Roland Sommer sei die Maßnahme

mit der Unteren Naturschutzbehörde im LRA Miltenberg abgestimmt gewesen.

“Wir kritisieren“, so der stellvertretende BN-Vorsitzende aus Miltenberg Dr. Hans

Jürgen Fahn, „dass die geplanten Maßnahmen vorab nicht mit den Umweltverbänden,

den lokalen Bürgerinitiativen und den Umweltbeauftragten besprochen wurden,

um zusammen mit Baumschutzfachleuten Lösungsvorschläge zur Verminderung

oder Vermeidung von überzogenen Fällaktionen zu entwickeln. So wird

eine Verkehrssicherung auf Verdacht vermieden.

 

Wir erkennen durchaus die Verpflichtung der Bahn für sichere Verkehrswege zu sorgen, damit keine Menschen zu Schaden kommen. Dennoch hätte man gerade in Zeiten der Klimadiskussion und des Artensterbens ein behutsameres Vorgehen erwartet. Wir fordern die Behörden auf, auf diesen Verstoß entschieden zu reagieren und wirksame Ersatzmaßnahmen vor Ort und Stelle anzuordnen. 

„Wir hoffen, dass die Bahn in Zukunft ihrer Verantwortung für die Schöpfung

nachkommt, damit sie ihrem Ruf als umweltfreundliches Verkehrsmittel gerecht wird

und die Umweltverbände im Vorfeld der Fällaktionen in die Entscheidungsfindung

mit einbezieht“, so Rudolf Kreuzer vom BN Aschaffenburg.