Exkursion zu den Naturschätzen des Schönbusch

Im Rahmen der Reihe "Aschaffenburgs Naturschätze" erfuhren 50 Interessierte von Rudolf Kreuzer, Mitglied im Kreisvorstand des BN, Historisches, Kulturelles und vor allem Biologisches über den Schönbusch, einem der bedeutendsten und gut erhaltenen englischen Landschaftsgärten.

Fledermausführung im Schönbusch
01.10.2018

50 Interessierte, darunter 10 Kinder, waren am Abend des 24. August unterwegs und erfuhren Historisches, Kulturelles und vor allem Biologisches über den Schönbusch. Es ist einer der bedeutendsten und gut erhaltenen englischen Landschaftsgärten, dessen Gebäude in der Zeit von 1775 bis 1802 errichtet wurden. Er ist mit seinen alten Bäumen, die teilweise hohl sind, mit Totholz, mit Wiesen, Bächen und Weihern ein wertvoller Lebensraum für viele Tierarten. Allein etwa 60 Vogelarten, darunter die seltene Hohltaube, der Mittelspecht, Wendehals, Pirol, Steinschmätzer, Gartenrotschwanz und Eisvogel leben hier.

 

Auf den Wiesen wurden vor Jahren z.B. 10 Heuschreckenarten und 17 Schmetterlingsarten bestimmt, auch darunter etliche gefährdete Arten. Die Wiesen sind nämlich ungedüngt und ungespritzt und werden nur 2 Mal im Jahr gemäht. Besonderes Augenmerk wurde bei der Führung auf die hier lebenden etwa 10 Fledermausarten gelegt, deren Biologie anhand von einem Präparat und von Postern anschaulich erklärt wurde. Rudolf Kreuzer, der seit Jahrzehnten im Fledermausschutz aktiv ist, konnte Fachwissen und viel eigene Erfahrung packend vermitteln. Es gibt Fledermäuse, die in Gebäuden in 2-3 cm breiten Nischen leben und flache Fledermauskästen brauchen, und andere, die in Baumhöhlen leben und daher auch in Vogelnistkästen vorkommen. Wer einen Fledermauskasten am Haus oder im Garten aufhängt, braucht Geduld: Es kann 5 bis 10 Jahre dauern, bis er angenommen wird. Der Schönbusch ist ein überregional bedeutsames Winterquartier für Große Abendsegler. Das zeigte sich vor 20 Jahren, als knapp 100 Exemplare in einem hohlen Baum gefunden wurden, der im Winter gefällt worden war. Eine davon, die beringt war, war 500 km weit aus Mecklenburg-Vorpommern, ihrem Sommersitz, hierher geflogen. Reinhold Willig und Kreuzer konnten die Tiere umsiedeln und so retten.

 

Auch von Rekorden war die Rede: Das kleinste Säugetier ist die 3cm lange Hummelfledermaus aus Thailand. Die Brasilianische Freischwanz-Fledermaus (Tadarida brasiliensis) ist das schnellste Tier in horizontaler Fortbewegung. Sie schießt mit mehr als 160 Stundenkilometern durch die Nacht.

Bei Taschenlampenschein hielt die Gruppe an verschiedenen Standorten nach fliegenden Fledermäusen Ausschau. Zu sehen waren nur wenige an diesem lauen Sommerabend, etwa Große Abendsegler, die über einer Wiese schon vor Dämmerung flogen. Aber durch den Detektor, der die Ultraschalllaute der Tiere als Knacklaute für uns hörbar macht, konnten wir weitere wahrnehmen. Rudolf Kreuzer identifizierte viele Zwergfledermäuse und Mückenfledermäuse anhand der Ultraschallfrequenz, die der Detektor angab, an Büschen und Bäumen und am oberen See. Diese fliegen erst bei Dunkelheit. Am See wurde auch eine Wasserfledermaus erkannt. Sie kann neben Insekten auf der Wasseroberfläche auch kleine Fische aus dem Wasser schnappen. Eventuell waren auch Fransen- und Bechsteinfledermäuse dabei.

 

Beim Rückweg nach der 90 minütigen Exkursion brachte es eine Teilnehmerin auf den Punkt: „Die Führung war so interessant und kurzweilig, dass ich  bis zum Schluss voll konzentriert zuhören konnte.“